Mit einer Juwelierlupe untersucht Heinrich Bott das goldene Armband auf seinem Schreibtisch. Er sucht die eingeprägte Zahl. Zum Beispiel 750AU. Der Stempel – auch Punze genannt – verrät ihm, dass das Schmuckstück zu drei Viertel aus Feingold besteht. Die Frau, der das Armband gehörte, gefällt es nicht mehr.
Im Zürcher Niederdorf hat Bott ein Geschäft mit dem Namen Schweizer Edelmetallhandel. Dort kauft und verkauft er Altgold, Silber, Schmuck, Zinn, Uhren und Diamanten. «Die Leute bringen am häufigsten Schmuck aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren. Sie haben ihn selbst getragen und wollen ihn nun verkaufen, weil er nicht mehr so modern ist», so Bott. Ihren Zweck hätten die Stücke erfüllt. Das meiste wird eingeschmolzen. «Einen kleinen Teil, Schmuck mit zeitlosem Design, verkaufen wir im Laden. Für solche Sachen zahlen wir dann auch mehr.»
Der Verkauf von Gold und Silber sei «das Einfachste der Welt», sagt Bott. «Die Kunden sind oft erstaunt, wie schnell es geht.» Sie müssen ihre Sachen vorbeibringen und ein Ausweisdokument dabeihaben. «Es muss alles dokumentiert werden. Es ist ein überwachungspflichtiges Gewerbe – alle Händler müssen die Personalien der Leute aufnehmen. Wenn das jemand nicht macht, ist das schon ein Zeichen, um vorsichtig zu sein.»
Auch das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit ruft zur Vorsicht auf: «Goldverkauf ist Vertrauenssache. Umso mehr sollte man sich vor dem Verkauf seiner Familienerbstücke überlegen, ob der Ankäufer dieses Vertrauen verdient hat.»
Die Preise in Botts Geschäft richten sich nach dem aktuellen Börsenkurs. Er betont: «Es lohnt sich, selbst einen kleinen Ohrstecker vorbeizubringen.» Es handle sich zwar nur um ein «Fitzelchen Gold», aber bei einem Gewicht von 1,5 Gramm würde man aktuell mehr als 100 Franken dafür bekommen. Dass das Edelmetall momentan so viel kostet wie noch nie, spürt auch die Gyr Edelmetalle AG aus Baar. «Die angebotenen Mengen haben merklich zugenommen, speziell im Frühling. Der Anstieg wird Private weiter dazu animieren, ihren alten, ungetragenen Schmuck zu veräussern», sagt die Firma auf Anfrage. Potenzielle Verkäuferinnen und Verkäufer sollten gemäss Gyr Edelmetalle folgende Punkte beachten.
Wie viel Gold steckt in meinem Schmuck?
«Goldschmuck hat einen Stempel eingprägt. 750 mit den Buchstaben AU bedeutet, dass das Schmuckstück zu drei Vierteln aus Feingold besteht, also 75%. Es gibt auch häufig die Stempel 585 oder 333 – hier ist der Gehalt an reinem Gold entsprechend geringer.»
Wie berechne ich den Wert für mein Schmuckstück?
«Selbst mit einer Küchenwaage kann das Gewicht ungefähr festgestellt werden. Dieses Gewicht multipliziert mit 0,75 (bei einem entsprechenden Stempel) ergibt den ungefähren Feingoldgehalt. Das Gewicht des ungefähren Feingoldgehalts, multipliziert mit dem aktuellen Feingoldpreis, ergibt den theoretischen Wert.»
Bekomme ich genau diesen Betrag ausgezahlt?
«Die seriösen Ankäufer und Ateliers bezahlen einen tieferen Preis, da sie die Rückgewinnungskosten, Schmelzverluste, Risiken der Volatilität des Kurses und die gängigen Fixkosten ihres Geschäfts wie Lohn, Ladenmiete und so weiter bezahlen müssen.»
Wie erkenne ich einen seriösen Goldankäufer?
«Das Wichtigste scheint uns, dass der Ankäufer ein Ladengeschäft hat und aus der Branche stammt, Goldschmied/in, Bijouterie oder Münzhändler. Unseriöse oder schlecht zahlende Ankäufer machen viel Werbung mit Flyern oder grossen Anzeigen und versprechen Höchstpreise, die bei näherem Betrachten nicht stimmen. Ausserdem verwenden seriöse Ankäufer geeichte Waagen und wiegen und dokumentieren alles direkt vor den Augen der Kunden.»
Wenn mein Schmuck Edelsteine enthält – was muss ich beachten?
«Edelsteine haben selten einen hohen Wert, so schön sie auch sein mögen. Gebrauchte Steine sind schwierig zu verkaufen. Ein Fachmann kann am ehesten ermessen, ob der Stein wirklich wertvoll ist.»
Lohnt es sich, mit dem Verkauf noch länger zu warten?
«Unsere Empfehlung ist, bei einem grossen Altgoldbestand nicht alles auf einmal zu verkaufen, sondern jede Woche oder jeden Monat etwas davon. Das ergibt am Schluss einen guten Durchschnittskurs, und man hat weniger Risiko, sich zu ärgern.»
Man sollte seinen Goldschmuck nicht auf einmal verkaufen.
Der Zürcher Goldankäufer Heinrich Bott.










