Wer Goldschmuck verkaufen will, sollte ihn nicht dem erstbesten Händler überlassen. Eine K-Geld-Stichprobe zeigt: Die Offerten unterscheiden sich gewaltig. Das beste Angebot war doppelt so hoch wie das schlechteste.

Auf Plakaten und im Internet unter Kaufengold.ch verspricht die Gold Business Time GmbH mit Sitz in Nyon VD: «Wir kaufen Ihre Edelmetalle zum besten Preis.» Mit über 40 Filialen ist dieser Händler der Ankäufer mit den meisten Standorten in der Schweiz.

Auch andere Firmen werben damit, sie würden Altgold zu Bestpreisen kaufen: etwa Rent a Box mit seinen acht Läden, das Goldhaus Basel und der Schweizer Edelmetallhandel in Zürich, der zur Säntinox AG in Teufen AR gehört.

Von Bestpreisversprechen sollte man sich nicht blenden lassen. Das zeigt die K-Geld-Stichprobe: Eine Testkundin besuchte mit Schmuck aller Art die Läden von 15 Gold- und Schmuckankäufern in der Deutschschweiz. Sie bot den Händlern Goldketten, Armbänder, Ringe, Broschen und eine Uhr zum Kauf an. Zum Teil waren die Stücke mit Diamanten, anderen Edelsteinen oder Perlen besetzt.

In der Filiale von Kaufengold in Winterthur ZH überprüfte ein Mitarbeiter mit einer Juwelierlupe zunächst die Stempel der Schmuckstücke. Die Stempel zeigen, wie hoch der Edelmetallgehalt ist. Bei Schmuck liegt dieser meist bei 75 oder 58,5 Prozent. Das heisst: Von 1000 Gramm sind 750 beziehungsweise 585 Gramm Gold. Diese Information wird als Zahl an einer bestimmten Stelle des Schmucks eingeprägt.

Wo diese Angabe fehlte, rieb der Mitarbeiter den Schmuck auf einer kleinen Schiefertafel. Den Abrieb beträufelte er mit einer speziellen Prüfsäure. Je nach Zusammensetzung der Säure löst sich der Abrieb auf. Mit dieser Methode lässt sich feststellen, ob es sich um echtes Gold handelt und wie rein es ist.

Darauf teilte der Angestellte den vorgelegten Schmuck in zwei Häufchen – eines mit dem 18-Karat-Schmuck und eines mit dem 14-Karat-Schmuck – und wog das Edelmetall. Für die Edelsteine in den Ringen, Anhängern, Armbändern, Broschen und Ohrringen zog er vier Gramm ab. Bei der Uhr sagte der Mitarbeiter, sie sei nur vergoldet und deshalb wertlos.

4917

Franken betrug die Differenz zwischen der besten und der schlechtesten Offerte für den Schmuck

Altgoldverkauf: Rebecca König (l.) und Claudia Koch von der Schweizer Edelmetallhandel in Zürich begutachten den Schmuck

Altgoldverkauf: Rebecca König (l.) und Claudia Koch von der Schweizer Edelmetallhandel in Zürich begutachten den Schmuck

Beste Offerte bei Edelmetallhandel in Zürich

Schliesslich offerierte Kaufengold für den ganzen Schmuck einen Preis von 7462 Franken. Das ist weit vom Bestpreis in der Stichprobe entfernt (siehe Tabelle). Als die Testkundin den Mitarbeiter darauf ansprach, dass Kaufengold.ch damit werbe, man kaufe auch Diamanten an, meinte er: Die vorgelegten Diamanten seien zu klein, um wiederverwertet zu werden. Das Angebot von Diamanten auf dem Markt übersteige die Nachfrage.

Das beste Angebot machte der Ankäufer Schweizer Edelmetallhandel. Die Filiale in Zürich offerierte für die Stücke 9490 Franken.

Das meiste Gold, das Kunden dort zum Ankauf anbieten, wird gemäss Geschäftsleiter Heinrich Bott eingeschmolzen und an der Börse verkauft. Nur aussergewöhnlicher gebrauchter Schmuck eigne sich zum Wiederverkauf, primär solcher von Luxusmarken. Dafür zahlt Bott mehr als den Goldpreis. Diamanten kauft er nur bei einem Mindestgewicht von 0,25 Karat und nur bei Vorliegen eines Echtheitszertifikats.

Den zweit- und drittbesten Preis boten die internationalen Händler Degussa in Zürich mit 8944 Franken und Philoro in Wittenbach SG mit 8875 Franken. In den Läden werden die Schmuckstücke mit Röntgenverfahren und Edelsteinprüfgeräten getestet. So lassen sich auch andere Edelmetalle finden. Das wirkt sich im Preis aus.

Die Differenz zwischen dem besten Angebot und der tiefsten Offerte lag in der K-Geld-Stichprobe bei 4917 Franken. Beim Händler Goldhaus Mel’Or in Schaffhausen hätte K-Geld nur 4573 Franken für den Schmuck erhalten – also weniger als die Hälfte des besten Angebots. Auf Nachfrage zeigt sich Geschäftsführer Cihad Uygur von Mel’Or überrascht über diese Differenz. Als mögliche Gründe nannte er hohe Schmelzkosten und einen Risikoausgleich wegen der grossen Schwankungen beim Goldkurs. Alles, was nicht Gold sei, werde vom Gewicht abgezogen und beeinflusse den Preis.

Vor der Stichprobe liess K-Geld den Schmuck bei Lienhard Fine Jewellery in Wettingen AG, einem registrierten Edelmetallankäufer, wiegen und auf der Basis des aktuellen Börsenkurses bewerten. Bereinigt auf den Referenzwert vom 6. November, wäre der Schmuck demnach 9826 Franken wert gewesen. «Diesen Preis würde man aber bei keinem Händler erhalten», sagt Geschäftsinhaber Simon Lienhard.

Abgezogen werden unter anderem die Schmelzkosten, ein Risikoausgleich für schwankende Kurse, die Vorfinanzierungskosten sowie übliche Fixkosten wie die Ladenmiete oder den Lohn. Wer Altgold anbietet, müsse mit Abzügen von 10 bis 20 Prozent im Vergleich zum Goldkurs rechnen, erklärt Lienhard.

In der Stichprobe lag dieser Abzug zwischen 3,4 und 53,5 Prozent. Bei den meisten Händlern konnte K-Geld schnell und unkompliziert ein Angebot ermitteln lassen. Der errechnete Wert wäre entweder bar ausgezahlt oder auf ein Konto überwiesen worden.

So gibts für Schmuck einen guten Preis

  • Vor dem Goldverkauf stets mehrere Offerten einholen.
  • Seriöse Anbieter hängen ihre aktuellen Preise im Laden aus oder veröffentlichen sie im Internet. Mitunter wird als Lockvogelangebot der höhere Preis für Feingold (24 Karat) angegeben. Der Goldgehalt von in der Schweiz, Deutschland oder Österreich gefertigten Schmuckstücken liegt meist bei 14 oder 18 Karat.
  • Den ungefähren Materialwert von Goldschmuck kann man selber bestimmen. Ein Rechenbeispiel für 18-karätigen Schmuck mit 75-prozentiger Reinheit: Liegt der Grammpreis für das Feingold bei 103 Franken, multipliziert man diesen mit 0,75. Das ergibt einen Grammpreis von Fr. 77.25. Diesen Betrag mit dem Gewicht des Schmucks multiplizieren.
  • Verlangen Sie vom Verkäufer freie Sicht auf die Waage. Notieren Sie das Gewicht der Schmuckstücke.
  • Perfekt verarbeitete oder antike Stücke können mehr einbringen als den Materialwert, vor allem wenn ein Echtheitszertifikat vorliegt. Dann sollte man Offerten von Juwelieren, Antiquitätenhändlern oder Auktionshäusern einholen.
  • Es empfiehlt sich, grosse und wertvolle Edelsteine auf Schmuckstücken bei einer Fachperson für Edelsteine separat schätzen zu lassen.
Das Boten die Händler für den Schmuck
Ankäufer Gebotener Preis
Schweizer Edelmetallhandel, Oberdorfstrasse 14, 8001 Zürich. Weiteres Geschäft in Teufen AR. Schweizer-edelmetallhandel.ch 9490.–
Degussa, Bleicherweg 41, 8002 Zürich. Weitere Filiale in Genf. Degussa-goldhandel.ch 8944.–
Philoro Ankauf, St.Gallerstrasse 4, 49300 Wittenbach SG. Weitere Filiale in Zürich. Philoro.ch 8875.–
Numisantique, Gerechtigkeitsgasse 80, 3011 Bern. Numisantique.com 8722.–
Erwin Dietrich, Werdmühlestrasse 4, 8001 Zürich. Numismatik.ch 8656.–
Goldhaus Basel, Falknerstrasse 17, 4001 Basel. Goldhausbasel.ch 8387.–
Schmuckgalerie, Badstrasse 4, 5400 Baden. Schmuckgalerie.ch 8259.–
Saphir Uhren & Schmuck, Obergasse 29, 8400 Winterthur ZH. Weiteres Geschäft in Frauenfeld TG. Saphiruhr.ch 8059.–
Schmuckbörse, Stadthausstrasse 6, 6003 Luzern. Schmuckboerseluzern.ch 7491.–
Kaufengold.ch, Obertor 40, 8400 Winterthur. Weitere Filialen an über 40 Orten. Kaufengold.ch 7462.–
Rent a Box, Buebematt 1, 6003 Luzern. Weitere Filialen in sieben Städten. Rent-a-box.ch 5477.–
Goldhaus Mel’Or, Löwengässchen 6, 8200 Schaffhausen. Goldhaus-melor.ch 4573.–
Angebote in Franken für 7,64 Gramm 18-karätiges Gold und 153,7 Gramm 14-karätiges Gold. Stichprobe vom 4. bis 12. November 2025. Da die Goldkurse stark schwanken, sind alle Händlerpreise kursbereinigt. Als Referenzsatz diente der UBS-Schlusskurs vom 6. November 2025 von Fr. 103.13 pro Gramm

14 und 18 Karat: Diese Stücke legte K-Geld den Händlern vor

14 und 18 Karat: Diese Stücke legte K-Geld den Händlern vor

Ankäufer von antikem Schmuck sind wählerisch

Die Stichprobe zeigt auch: Es ist schwierig, Schmuck für den Wiederverkauf an die Händler zu bringen. Ankäufer von Antik- und Vintageschmuck wie etwa Harry Hoffmann in Zürich oder die Schmuckbörse in Luzern zeigten sich sehr wählerisch. Laut eigenen Angaben nehmen sie nur Exquisites und Zeitloses. Es gebe für gebrauchten Schmuck zurzeit kaum eine Nachfrage, hiess es bei anderen Juwelieren und Händlern.